Lichtfest Leipzig - Das Programm

Programm Lichtfest Leipzig 2022

Lichtfest Leipzig in der ganzen Innenstadt erleben

Das Lichtfest Leipzig findet auf dem Augustusplatz, dem Burgplatz und dem Richard-Wagner-Platz statt. An allen Orten sind von 19 bis 23 Uhr Lichtinstallationen zu
erleben. Auf dem Nikolaikirchhof erwartet die Besucher die Kerzen-89. Auch in diesem Jahr haben alle Lichtfestprojekte lokale Kooperationspartner.

Das sind die Lichtprojekte der drei internationalen Künstlerteams beim Lichtfest Leipzig 2022:

Lichtfest Leipzig 2022 mit drei Lichtinstallationen
Lichtfest Leipzig 2022 mit drei Lichtinstallationen © Matthieu Tercieux, LTM

Augustusplatz:
„wir sehen uns frei“ von Robert Sochacki und Wera Morawiec, Breslau / Polen

Burgplatz:
„Das ICH und das WIR“ von Betty Mü, Anzing / Deutschland

Richard-Wagner-Platz:
„Demokratie braucht Farbe – Sprüh mit!“ von Cart‘1 und Matthieu Tercieux, Lyon /Frankreich


Alle Lichtfest-Standorte im Überblick (jeweils 19-23 Uhr)

Augustusplatz: „wir sehen uns frei“ – Video, Großprojektion, Sound, O-Töne
„wir sehen uns frei“ – Video, Großprojektion, Sound, O-Töne
Visualisierung: LTM

wir sehen uns frei / we see us free / widzimy siebie wolnymi

Das Projekt basiert auf der Idee, dass das Leben jedes Einzelnen von Bedeutung ist – wir aber immer auch Teil kleinerer oder größerer Gemeinschaften, Kollektive im eigentlichen Wortsinn sind – die uns Sicherheit, aber auch Freiheit geben, uns so zu zeigen, wie wir sind. Daher achten wir sorgsam auf unsere Privatsphäre – sie ist (uns) wichtig. Gemeinschaften, wie z. B. die der Familie, sind der Kern der Gesellschaft. Beim Blick hinter die Fassaden finden sich unzählige Geschichten über die Menschen, Notizen über ihre kleinen Erfolge und ihr Scheitern gleichermaßen. Alltäglichkeit, die unsere Geschichte widerspiegelt. Jene kleinen, intimen Momente und Aufnahmen waren und sind wichtige Zeitzeugen. Diese privaten, wenig sichtbaren, aber kostbaren Bilder stehen im Mittelpunkt der Projektion von Alltagsbildern aus der Zeit um 1989. Sie zeigen, dass wir in jedem Moment Teil der Geschichte sind – heute genauso wie 1989.

Die Installation auf dem Augustusplatz besteht aus vier Teilen: die Videoprojektionen auf die „Milchtöpfe“ spielen mit der Erinnerung und Alltagsbildern, interpretieren sie, rücken sie in neue Zusammenhänge. Dabei kommt sowohl privates Bildmaterial als auch das öffentlicher Archive zum Einsatz. Zu jeder Projektion sowie für den Gesamtplatz komponierte Marek Brandt passende Sounds und Pina Rückert arbeitet mit Klangschalen. Eine Großprojektion auf die Fassade der Oper zeigt riesige Augenpaare – nicht einfach beliebige, sondern die von Leipzigerinnen und Leipzigern. Dank der dafür entwickelten App „Augen auf!“ können sie das Projekt mitgestalten. Die Augen sind Aufforderung, aufmerksam hinzuschauen, Missstände zu erkennen und öffentlich zu machen. Die Pergola links vor der Oper schließlich wird zum intimen Raum für akustische Begegnungen und lädt die Besucher spielerisch ein, unter acht interaktiven Licht- und Soundduschen O-Töne von Zeitzeugen zu erleben.

Künstlerteam: Wera Morawiec und Robert Sochacki (Kollektiv noks)
Robert Sochacki, geboren 1971 in Danzig, schloss 1997 sein Studium an der Kunsthochschule Danzig ab, 2018 Promotion zum Thema „Kunst im öffentlichen Raum und bildende Kunst”. Vom Bühnenbild über Performance und großformatigen Projektionen bis hin zu interaktiven Lichtinstallationen – Sochacki ist in verschiedensten Bereichen tätig. Er ist Mitbegründer und Mitglied des Kollektivs noks. Robert Sochacki lebt und arbeitet in Breslau und lehrt an der dortigen Kunsthochschule Eugeniusz Geppert. Er hat an den renommiertesten internationalen Lichtfestivals und Festivals im öffentlichen Raum teilgenommen.
www.noks.info

Lokale Kooperationspartner:
Das Tandem Robert Sochacki und Wera Morawiec bindet gleich mehrere Künstler und Kulturschaffende aus Leipzig ein: Marek Brandt und Pina Rücker (triPhaze) komponierten direkt für diese Installation, Marc-André Weibezahn hat die interaktive App „Augen auf!” entwickelt. Das Stadtgeschichtliche Museum, das Zeitgeschichtliche Forum, das Polnische Institut und das Stadtarchiv unterstützten die Bild- und Audiorecherchen, die Studentinnen Minou Becker, Paula Bültemann und Lisa-Marie Klee kuratieren die O-Töne für die Soundduschen.

„Es sind viele Menschen, die an dem Projekt mitwirken. Darüber sind wir sehr glücklich. Wir arbeiten alle eng zusammen, stehen in Beziehungen zueinander – korrespondierend zum Grundgedanken des Projekts, dass Gemeinschaften der Kern jeder Gesellschaft sind. Die Installation zeigt dadurch nicht eine einzelne Perspektive, sondern baut auf dem Zusammenwirken aller Beteiligten auf,“ so die polnischen Künstler.

Fotos und Videos vom Workshop

Burgplatz: „Das ICH und das WIR“ – Begehbares Kaleidoskop
„Das ICH und das WIR“ – Begehbares Kaleidoskop
Foto: LTM

Wir können verändern. Von den Zweifeln des Individuums und der Kraft der Masse.

Was bedeutet es, als Einzelner in der Gruppe zu wirken? Was verbindet unsere Gesellschaft heute? Für welche Zukunftsthemen müssen wir uns engagieren? Die Videoinstallation der Münchner Künstlerin Betty Mü wirft grundsätzliche Fragen auf. Von außen erinnert die Installation an ein überdimensionales begehbares Kaleidoskop: insgesamt elf Meter lang, in der Form eines Hexagons gebaut und mit Spiegeln sowie LED-Screens versehen. Die Besucherinnen und Besucher bewegen sich durch diesen Lichttunnel, wodurch dieser gewissermaßen zum Leben erwacht: Das Selbstbild des Individuums fragmentiert und multipliziert sich zu einer Menschenmenge, animierte grafische und typokinetische Elemente sowie eine Klangwelt aus Sounds (Thomas Süßmair) und Stimmen ergänzen das immersive Erlebnis. Die eingespielten Statements entstanden in einem interdisziplinären Workshop mit Studierenden.

Im Zentrum der Installation steht das „Wir“ von „Wir sind das Volk“, der bekanntesten Parole aus dem Herbst ‘89. Wir können verändern. Wir sind die Hoffnung. Wir sind die Zukunft. Jeder einzelne von uns. Mit ihrer Installation liefert Betty Mü ein leidenschaftliches Plädoyer für gelebte Nachhaltigkeit und gesellschaftliches Engagement.

Künstlerin: Betty Mü, Anzing (Deutschland)
Betty Mü ist eine deutsche Designerin und Bildende Künstlerin, die sich auf Video- und Projektionskunst sowie auf immersive Rauminstallationen spezialisiert hat. Geboren und aufgewachsen in München, zog sie 1995 nach New York, wo sie u. a. als Art-Directorin arbeitete. Nach sechs Jahren kehrte sie nach München zurück, um ihre Erfahrungen als Live-Visualistin und Videokünstlerin auszubauen. Neben ihren freien Arbeiten realisiert sie häufig Projekte für so namhafte Auftraggeber wie die Pinakothek der Moderne in München, das Waterkant-Festival in Kiel oder das Kunstkraftwerk Leipzig. Zu ihren bislang größten Werken zählt die Münchner Lichtaktion „Das Kunstareal verbindet“, mit der sie im Winter 2021 ein Zeichen für die Kunst in Corona-Zeiten setzte.
www.bettymue.com

Lokale Kooperationspartner:
Im Juni fand ein mehrtägiger Workshop statt, bei dem die Künstlerin gemeinsam mit Leipziger Studierenden u. a. diesen Fragestellungen nachging: Vor welchen Aufgaben stehen unsere Gesellschaften heute? Bedeutet Deglobalisierung Risiko oder Chance? Wie steht es um das Verhältnis zwischen dem Ich und dem Wir? Warum engagiert man sich als Einzelner oft eher nicht? Hat man Angst aus der Menge hervorzutreten? Was kann man dagegen tun? Was verbindet unsere Gesellschaft heute noch? Die Ergebnisse des Workshops gingen in die Gesamtkonzeption ein und sind als Audiostatements im Kaleidoskop zu hören.

Fotos und Videos vom Workshop

Richard-Wagner-Platz: „Demokratie braucht Farbe – Sprüh mit!" – Digitales Graffiti und Performance
„Demokratie braucht Farbe – Sprüh mit!" –  Digitales Graffiti und Performance
Foto: Matthieu Tercieux

Teilhaben, aktiv werden, mitmachen!

Digitales Graffiti, auch unter dem Begriff „Light Spray“ bekannt, ist eine interaktive Kunstform, die aus der Zusammenarbeit zwischen dem Digitalkünstler Matthieu Tercieux und dem Straßenkünstler Cart‘1 entstand. Mit Hilfe von Elementen aus der Welt der Videospiele, erzeugt Cart‘1 per Wii-Controller Graffiti-Projektionen, die Effekte wie beim Sprühen mit einer Spraydose erlauben. Die Künstler arbeiteten im Vorfeld mit Leipziger Jugendlichen, um das Projekt großformatig auf dem Richard-Wagner-Platz umsetzen zu können. Besucherinnen und Besucher des Lichtfests können selbst zu Akteuren werden und per Light Spray die Fassaden am Richard-Wagner-Platz mit ihrer Botschaft verändern. Zwischendurch gibt es Graffiti-Performances von Cart‘1.

Künstler: Cart‘1 und Matthieu Tercieux, Lyon (Frankreich)
LIGHT SPRAY
Der Streetartist Cart‘1 ist ein reisender Künstler und oft international unterwegs, aber seine Basis hat er in Lyon. Cart‘1, Jahrgang 1974, macht Graffiti seit er 15 ist. Seine Welt wird von Traumfiguren bevölkert, die meist in Schwarz-Weiß gesprayt sind. Sie integrieren sich in den Ort, an dem er malt, wie lebende Dinge, die die reale Welt stören.
www.facebook.com/lightspray


Matthieu Tercieux, ebenfalls aus Lyon, Absolvent der Kunsthochschule Mulhouse, sieht sich als Programmierkünstler. Im Zentrum steht die Verbindung von Streetart mit Technologie. Er möchte Projekte entwickeln, die eine maximale Interaktion mit dem Publikum zulassen. Er arbeitet für verschiedene internationale Festivals, kreiert und programmiert interaktive Szenografien.
www.facebook.com/matthieu.tercieux

Lokaler Kooperationspartner:
Im HEIZHAUS in Grünau, Heimstatt des Vereins Urban Souls, fand im Sommer ein Workshop mit Jugendlichen statt. „Teilhabe ermöglichen“ – der Leitgedanke, der das Kunstprojekt inspiriert, ist auch beim lokalen Partner fest verankert: Urban Souls e. V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich der Förderung der Jugendhilfe, Kultur, Sport, Musik, Kunst und Altenhilfe widmet. Zunächst mit Schwerpunkt Skaterszene gestartet, erweiterte sich das Spektrum bald Richtung Tanz, Musik und Graffiti. 2009 öffnete das HEIZHAUS, weitaus mehr als „nur“ eine Skatehalle, sondern ein Raum mit Angeboten für alle Generationen. Ein Teil des Workshops in Grünau fand in den Räumen des offenen Freizeittreffs „Völkerfreundschaft“, der „Völle“, statt. Das Stadtarchiv Leipzig unterstützte das Projekt mit historischem Bildmaterial.
www.heizhaus-leipzig.de
www.leipzig.de/voelkerfreundschaft

Fotos und Videos vom Workshop

Nikolaikirchhof: Grußworte, Musik, Kerzen-89
Die Kerzen-89, die traditionell von den Besuchern zum Leuchten gebracht wird, steht auf dem Nikolaikirchhof.
Foto: Punctum/Schmidt

Der Abend beginnt auf dem Nikolaikirchhof mit kurzen Grußworten von Oberbürgermeister Burkhard Jung und weiteren Ehrengästen. Die Grußworte werden auf eine Leinwand auf den Markt übertragen. Musikalisch begleitet wird die Eröffnung vom "Ensemble Flautissimo" der Musikschule „Johann Sebastian Bach“. Es musizieren Lisa Marie Klein, Amalia Schlesier und Marius Hipper (alle Querflöte).

Kerzen-89
Auf dem Nikolaikirchhof steht die traditionelle Kerzen-89, die im Laufe des Abends von den Besucherinnen und Besuchern mit tausenden Teelichtern zum Leuchten gebracht wird. An allen Infoständen in der Innenstadt (siehe Lichtfestorte) erhalten Besucher kostenlos Kerzen. Wer möchte, kann dort via Barspende oder per Paypal eine symbolische Kerzenpatenschaft übernehmen. 2022 geht der Erlös der Aktion an das Journalists-in-Residence-Programm des in Leipzig beheimateten Europäischen Zentrums für Presse- und Medienfreiheit (ECPMF). Medienschaffende und Aktivistinnen für Medienfreiheit finden hier Zuflucht und Unterstützung.
Mehr Infos in der Rubrik Kerzenpaten.


Alle Künstlerteams im Überblick

Künstlerteam Kollektiv noks: Wera Morawiec und Robert Sochacki
Künstlerteam Kollektiv noks - Wera Morawiec und Robert Sochacki
Foto: LTM / PUNCTUM Alexander Schmidt

Robert Sochacki, geboren 1971 in Danzig, schloss 1997 sein Studium an der Kunsthochschule Danzig ab, 2018 Promotion zum Thema „Kunst im öffentlichen Raum und bildende Kunst”. Vom Bühnenbild über Performance und großformatigen Projektionen bis hin zu interaktiven Lichtinstallationen – Sochacki ist in verschiedensten Bereichen tätig. Er ist Mitbegründer und Mitglied des Kollektivs noks. Robert Sochacki lebt und arbeitet in Breslau und lehrt an der dortigen Kunsthochschule Eugeniusz Geppert. Er hat an den renommiertesten internationalen Lichtfestivals und Festivals im öffentlichen Raum teilgenommen. Wera Morawiec kuratiert das Projekt.

„Die ständige aufmerksame Beobachtung des Alltagslebens führt meine künstlerische Arbeit immer wieder in den öffentlichen Raum. Dort, an den Treffpunkten der Stadt, begegnen sich Werk, Künstler und Betrachter. So entsteht der sensible Interpretationsspielraum, der das Werk sowohl in sich abschließt als auch nach außen öffnet.“

www.robertsochacki.pl
www.noks.info

Künstlerin Betty Mü
Künstlerin Betty Mü
Foto: LTM / PUNCTUM Alexander Schmidt

Betty Mü ist eine deutsche Designerin und Bildende Künstlerin, die sich auf Video- und Projektionskunst sowie auf immersive Rauminstallationen spezialisiert hat. Geboren und aufgewachsen in München, zog sie 1995 nach New York, wo sie u. a. als Art-Directorin arbeitete. Nach sechs Jahren kehrte sie nach München zurück, um ihre Erfahrungen als Live-Visualistin und Videokünstlerin auszubauen. Neben ihren freien Arbeiten realisiert sie häufig Projekte für so namhafte Auftraggeber wie die Pinakothek der Moderne in München, das Waterkant-Festival in Kiel oder das Kunstkraftwerk Leipzig. Zu ihren bislang größten Werken zählt die Münchner Lichtaktion „Das Kunstareal verbindet“, mit der sie im Winter 2021 ein Zeichen für die Kunst in Corona-Zeiten setzte.

www.bettymue.com

Künstlerteam Cart‘1 und Matthieu Tercieux
Künstler Cart‘1 und Matthieu Tercieux
Foto: LTM / PUNCTUM Stefan Hoyer

LIGHT SPRAY
Der Streetartist Cart‘1 ist ein reisender Künstler und oft international unterwegs, aber seine Basis hat er in Lyon. Cart‘1, Jahrgang 1974, macht Graffiti seit er 15 ist. Seine Welt wird von Traumfiguren bevölkert, die meist in Schwarz-Weiß gesprayt sind. Sie integrieren sich in den Ort, an dem er malt, wie lebende Dinge, die die reale Welt stören.
www.facebook.com/lightspray

Matthieu Tercieux, ebenfalls aus Lyon, Absolvent der Kunsthochschule Mulhouse, sieht sich als Programmierkünstler. Im Zentrum steht die Verbindung von Streetart mit Technologie. Er möchte Projekte entwickeln, die eine maximale Interaktion mit dem Publikum zulassen. Tercieux arbeitet für verschiedene internationale Festivals, kreiert und programmiert interaktive Szenografien.
www.facebook.com/matthieu.tercieux


Besonderheit: Lokale Partner und Workshops

Alle Künstler haben lokale Kooperationspartner aus der Stadtgesellschaft, mit denen sie ihre Lichtinstallation entwickeln und umsetzen. Im Sommer gab es zu allen Lichtprojekten intensive mehrtätige Workshops, die Inhalte und Schwerpunkte definierten. Beim Lichtfest werden auf einer LED-Wand auf dem Marktplatz sowie auf einer Leinwand auf dem Nikolaikirchhof Videos gezeigt, die diesen gemeinsamen kreativen Prozess dokumentieren. Die Videos sind hier abrufbar. Partner sind Studierende, Vereine, Museen, Archive sowie Künstlerinnen und Künstler.


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